Frauen für IT gewinnen: So kann es gehen

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12/15/16 5:12 PM

Mein Beitrag in der Personalwirtschaft

Ich freue mich sehr, mit einem Gastbeitrag in der Personalwirtschaft (Sonderheft SAP-Partner 11/2016) mit einem Thema zu sein, das mir echt am Herzen liegt: Frauen in der IT, vielmehr der Mangel derselben. Seit den achtziger Jahren ist der Anteil von Frauen in IT-Berufen dramatisch geringer, als der von Männern. Während der Frauenanteil in diversen Studienfächern in den USA kontinuierlich anstieg, sank er in der Informatik seit 1984 von 37 Prozent auf 17 Prozent, wo er sich seit 2007 einpendelt (Quelle: NSF). In Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Woran liegt das? Ein Grund ist sicherlich, dass Entwicklung und Vermarktung der ersten Personal Computer in den achtziger Jahren klar auf männliche Rollenmodelle ausgerichtet war. Weltall-Shooter und Hüpf- und Ballerspiele – nur wenige junge Mädchen wurden von diesen Spielen angezogen. Computer wurden von Männern für Jungs entwickelt und vermarktet. Dazu kam das sorgfältig und bis heute gepflegte Vorurteil, dass Jungs oft technisch interessiert, dafür aber sozial eher unzugänglich seien. Der „Nerd“ war geboren. Diese Dialektik stimmt so natürlich nicht und belegt ist das schon dreimal nicht.

Gepflegte Vorurteile

Ebenso wenig wie das Vorurteil, dass Frauen technisch weniger begabt seien als Männer. Mehrere Studien widerlegen das, eine davon stammt aus Kanada und zeigt, dass das Kommunizieren dieser Vorurteile Unterschiede schafft, die ansonsten nicht vorhanden wären. Hier wurde einer Gruppe von Frauen vor dem Lösen mathematischer Aufgaben gesagt, dass Frauen genetisch bedingt schlechter in Mathe seien als Männer. Einer Vergleichsgruppe wurde das nicht erzählt. Sie ahnen es sicher schon: Die erste Gruppe schnitt deutlich schlechter ab als die zweite, die im Schnitt exakt auf dem gleichen Niveau landete wie die Männergruppe. Diese Zuschreibungen halten bis heute an und werden durch gezieltes Marketing an vielen Stellen noch verstärkt. Kein Wunder, dass sich weniger Frauen von sich aus für einen MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) entscheiden. Dass an den meisten entsprechenden Unis fast nur junge Männer vertreten sind, motiviert sicherlich auch nicht. Wer will schon als Außenseiter in seinem eigenen Studienfach gelten? Das ist schade, um nicht zu sagen tragisch.

Stereotype ausräumen

Denn die Unterrepräsentanz von Frauen in der IT schadet unserer Wirtschaft. Die Digitalisierung nahezu aller Geschäftsprozesse verursacht eine gestiegene Nachfrage nach IT-Fachkräften. Außerdem lebt Digitalisierung von Vielfalt. Es gilt daher, Stereotype auszuräumen, anstatt sie noch zu befeuern. Dabei geht es aus meiner Sicht nicht darum, mehr Frauen in die IT zu kriegen, um sogenannte weibliche Arbeitsweisen dort zu etablieren. Sondern eben darum, das vorhanden Potenzial auch zu nutzen! Besonders schlimm finde ich Versuche, Frauen für die IT zu gewinnen, indem falsche Stereotype gefördert statt beseitigt werden. Frauen für MINT-Berufe begeistern, indem man das Programmieren von Torten-Apps und Schminktipps propagiert? Oder PCs in rosa und lindgrün gestaltet? Das halte ich – mit Verlaub – für reaktionären Blödsinn. Um Frauen für MINT-Berufe zu begeistern müssen stattdessen drei Dinge passieren:

1. Rechtzeitige Förderung, zum Beispiel in Schulen

Aus meiner Sicht wird insgesamt in den Schulen zu wenig getan, um den Nachwuchs auf die moderne Berufswelt vorzubereiten, für Mädchen erst recht. Warum gibt es so wenig Coding-Kurse für Kinder? Immerhin ist fast ihr ganzes Leben von digital programmierten Prozessen bestimmt! Ich bin sicher, dass sich ebenso viele Mädchen wie Jungen dafür begeistern ließen.

2. Netzwerke schaffen

Es gibt tolle Frauen-Coding-Netzwerke, zum Beispiel die Geekettes oder Women Who Code. Für Männer ist es selbstverständlich, sich zu vernetzen, gegenseitig zu empfehlen oder auf sich aufmerksam zu machen. Ich hoffe inständig, dass auch Frauen diese Möglichkeiten gerade in der IT vermehrt nutzen. Es gilt, Frauen in den IT-Abteilungen zu etablieren und sichtbar zu machen. Lesen Sie einmal eine Fachzeitschrift aus dem MINT-Bereich. Wie viele Gastbeiträge sind von Frauen geschrieben? Meistens gar keiner. Oder waren Sie schon einmal auf einem Programmier-Workshop? Waren da Frauen? Hier schaffen zum Beispiel die Rails Girls Abhilfe, eine Workshop-Organisation speziell für Frauen, bei der die Programmiersprache Ruby on Rails gelernt werden kann. Auf der Internetseite unter den FAQ heißt es auf die Frage, ob man auch als Mann teilnehmen kann: „Rails Girls Berlin is normally focussing on women. If we have capacities left we will let you know if you can attend.“ Wenn noch Platz ist vielleicht, sonst also nicht.

3. Neue Berufsfelder kommunizieren

Für viele Berufseinsteiger ist IT nach wie vor verknüpft mit der Idee, Kabel miteinander zu verbinden. Dabei gibt es heute Berufe wie Cloud Architekten, Data Scientists, Security Spezialisten, Systemanalytiker oder Webdesigner – alles Aufgaben, die mit Steckerstöpseln unterm Tisch nichts zu tun haben. Ich glaube, dass sich viele Frauen von den neuen Berufsbildern in der IT angesprochen fühlen, aber sie sind nach wie vor wenig bekannt. In Berufsinformationszentren, Studienberatungen oder Karriereseiten sollte verstärkt hierüber gesprochen werden, um Aufmerksamkeit zu schaffen.

Gelingen diese drei Punkte, ist schon viel geschafft und zumindest eine Grundlage gelegt. Mit Glück setzt dann ein Prozess ein, der im weiteren Verlauf ganz von selbst den Anteil von Frauen in der IT nach oben schraubt: Das Entstehen von Vorbildern. Denn diese lassen Berufswünsche entstehen. „Meine Mutter macht etwas mit Computern, das will ich auch.“ oder „Die Freundin meines Bruders programmiert die Apps für die Spiele, die ich immer spiele.“ Solche Vorbilder sind höchst effektiv, um einen höheren Anteil von Frauen in der IT zu etablieren und langfristig zu sichern. Der Wirtschaft wäre das zu wünschen.

Sie sind eine Frau und schon in der IT beschäftigt? Dann haben wir vielleicht die nächste spannende Aufgabe für Sie! Hier geht es zu unseren Stellenangeboten. (Na gut, auch Männer dürfen sich bewerben).

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